Presse zur Ausstellung

C4 LOKALE KULTUR    22-04-06 Rheinische Post
Lichtspiralen und Farbstrudel
Niko Hübner und Werner Matrisch – zwei Künstler auf der Suche nach harmonischen Kontrasten. Was sie gefunden haben, zeigt eine Ausstellung, die morgen in Dinslaken-Hiesfeld eröffnet wird.


VON RALF SCHREINER

DINSLAKEN. Manchmal kommen die Engel aus dem Meer. Niko Hübner fand seinen auf Ibiza: ein Stück Treibholz, angespült am Strand. In Dinslaken ließ der Künstler ihm Flügel wachsen - einen aus Holz , den anderen aus Aluminium. Um den Hals legte er dem Himmelsboten eine Halskette aus verrosteten Schlüsseln. „Er ist ein Wächter“, sagt Hübner. Er wacht über das Licht.

Lebenskreis
Waren die Lichtobjekte des 38jährigen vor einigen Jahren noch Experimentierfeld, bilden sie mittlerweile einen Schwerpunkt in Hübners Schaffen. Naturbelassene Materialien mit Leichtmetall zu einer harmonischen Einheit zu verbinden und dann kunstvoll zu illuminieren, ist für den gebürtigen Walsumer eine Herausforderung, der er sich häufiger stellt. Ein Holzbalken aus einem alten Dachstuhl, gekrönt von einer Aluminium-Spirale, wird zum strahlenden „Lebenskreis“. Ein Stück Wurzelholz zu einem hämisch grinsenden Teufel, der an Stahlseilen ein Menschlein mit Riesenherz spazieren führt.

Die Bilder Hübners sind strenger, wenngleich nicht weniger harmonisch. Ruhe, Schönheit, klare Form, darauf kommt es dem Künstler an. Niko Hübner arbeitet mit Quarzsand und Pigment. Auf der schrundigen Oberfläche tauchen häufig Buchstaben auf, wild hineingewürfelt scheinen sie, manche stehen Kopf, manche liegen auf der Seite. Das Chaos wird zum Bild – um im Bild gebändigt zu werden – mit Paketschnur zum Beispiel. Manchmal genügen auch Farben. Warmes Rot auf Sand, ein kleines Rechteck, das aus der klar strukturierten Bildfläche leicht in den Raum ragt. Der Sieg über das Schwarz ist perfekt. „Kräftetausch“ nennt Hübner das.

In den 80er Jahren faszinierte Werner Matrisch das Spiel von Licht und Schatten. Die Atmosphäre lichtdurchfluteter Wüstenstädte, die er auf Reisen nach Tunesien, Ägypten und Jordanien kennen gelernt hatte, flossen in abstrahierte Landschaften ein. Von den lyrischen Ölbildern –einige verraten die Verehrung für René Magritte – hat sich der in Werl geborene Kölner verabschiedet.

Heute schwelgt er in Farbe. „Der reine Malprozess ist wichtiger geworden“ , sagt er. „Und schneller“. Kein Arbeiten im Sitzen mehr, kein „ Gepingel“. Matrisch steht vor der Leinwand und trägt schwungvoll auf. Ausschließlich in Öl. Das ist sensibler, sagt er. Acryl ? Viel zu hart und zu matt im Glanz. Der Betrachter weiß das zu schätzen. Er sieht und spürt die Signale, die Matrischs Bilder aussenden. Die meditative Stille ebenso wie das Ungebändigte. Hier ist Farbe in Bewegung. Wildes Wogen, ungezähmtes Wirbeln, ein Rausch in Blau, ein Strudel in Gelb und Grün.

„Wer Angst vor Farbe hat, sollte meine Bilder nicht anschauen“, erklärt Matrisch und lächelt. Alle anderen sind eingeladen zum Nachfühlen, Nacherleben und Verstehen.

Harmonische Kontraste der Kunst

Niko Hübner und Werner Matrisch

in der Gegenüberstellung.

 

ASTRID GLEUSSNER / NRZ 25.04. 2006

DINSLAKEN.

Die Schönheit und die Natur bilden den Schwerpunkt der Ausstellung

von Niko Hübner und Werner Matrisch, die am Sonntag in

Dinslaken-Hiesfeld, Sterk-

rader Str.276 eröffnet wurde. Unter dem Titel „Harmonische Kontraste, zwei Künstler“ wird ein abgestimmter Kontrast bei der unmittelbaren Gegenüberstellung der Werke angestrebt.

Niko Hübner kommt aus Walsum und lernte früh, seine Umgebung zu lieben. Er verbindet die unterschiedlichen Elemente zu einer Einheit, indem er für seine Werke alte Balken aus Bruchhäusern benutzt und sie als Skulpturen, Bilder oder Lichtspiele eine tragende Rolle spielen lässt. Schönes Treibholz inspiriert ihn bei seiner Arbeit. Sein Gefühl, die Einzigartigkeit jedes Teils zu entdecken und mit anderen Materialien zu verbinden, zeichnen seine Werke aus. Als Möbeldesigner und- bauer erschafft er Lichtskulpturen und Einrichtungsgegenstände. Ein zweieinhalb Meter großer Tisch beherrscht den Ausstellungsraum. Unter Glasscheiben liegt in der Mitte Bruchglas. Für seine Objekte verwendet er Sand, Blattgold und natürliche Materialien. In einem 15 Kilo schweren Sandbild stellt er mit gefärbtem Quarzsand und Aluminiumrahmen Streitpunkt und Neutralität dar. Als Stimmungslicht kreierte er eine drehbare Lichtobjektlampe aus Wurzelholz , Ahorn und Buche. „Der Schutzengel“ ist ein christliches Objekt in dem jeder etwas für sich sehen soll. Ein herausragendes Werk ist „Der Engel“. Aus Treibholz versehen, mit einem Holz- und Aluminiumflügel, wird er durch einen großen Ring mit vielen alten Schlüsseln zum Wächter der Seelen.

Werner Matrisch war lange Jahre als Hänge- und Ausstellungsmeister im Kölnischen Kunstverein tätig. Sein Studium an der Essener Folkwangschule bildete die Grundlage für sein künstlerisches Schaffen. Seine Reisen in südliche und morgenländische Regionen waren entscheidend für das Wahrnehmen von Licht, Farbe und Schatten. Er schafft mit seinen Bildern lichtdurchflutete, abstrahierte Landschaften und reduziert sie in seinen Werken. Ausgestellt sind Werke aus den 80ern und den letzten zwei Jahren. Die prägenden Einflüsse seiner Reisen und die gute Naturwahrnehmung sind Schlüsselbegriffe seiner Kunst. In den 80er Jahren malte er abstrahierte, lichtorientierte Bilder die Sehnsucht, Weite Unberührbarkeit und Unabhängigkeit zeigen. Er spielt mit den Möglichkeiten einer Farbe, wobei Blau eine besonders große Rolle spielt. Von der Wildheit bis zur meditativen Stille ist alles in seinen Werken zu finden.

In der Ausstellung treffen sich Schönheit und Natur in den Werken der beiden Künstler. Zusammen bilden sie einen harmonischen Kontrast in der unmittelbaren Gegenüberstellung ihrer Objekte.

 

 

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