Statements über Werner Matrisch

Rezensenten:

Dr. Brigitte Hammer,  Joseph Schotten,  Dr. Gabriele Lueg,   Prof. Dr. A. Sibermann,  Dr. Wilfried Dörstel,  Ralf  Schreiner

 

Landschaften sind sein Thema, Blau seine Farbe, die Kamera sein Skizzenblock und Tagebuch.

Seit seiner Ausbildung an der Folkwangschule in Essen beschäftigt ihn die Malerei. Zuerst suchend und tastend läßt er sich von Künstlern anregen und lernt von jenen, die ihn begeistern. Für Beardsley hat er geschwärmt, für seine scharfen schwarz-weißen Kontraste. Die Wiener Schule hat ihn bewegt, besonders Brauer mit seinen intensiven Farben, seinen phantastischen Figurenbildern und traumhaften Landschaften. Die Impressionisten bewundert er wegen ihrer stimmungsvollen Farbigkeit.

In den frühen Bildern werden diese Eindrücke verarbeitet. Seine Leinwände loten das ganze Spektrum des Regenbogens aus, seine malerischen Experimente probieren, was eine Farbe an Mischung und Verdünnung noch aushält. So entstehen leuchtende Zaubergärten, aus denen sich zwischen floralen Formen Figuren herausheben, Köpfe im Profil, die mit dem Hintergrund verschmelzen und dennoch scharf kontrastierend sich hervorheben.

In seinem Malstudio – weißgekachelter Boden, sorgfältig gereinigte Pinsel und diszipliniert aufgereihte Farbtuben liegen bereit – hängt über dem Arbeitstisch eine seiner ersten großen Arbeiten. Ihn schaudert noch die Erinnerung an die Qual der Vollendung. Auf graublauem Grund entwickelt sich, gemalt, getupft, gesprüht, verdichtet und sich auflösend, ein Universum kosmischen Geschehens, ein Sphärenbild wie eine Reise durch das Weltall. Der malerische Gestus tobt sich aus und löst sich von den Vorbildern.

Werner Matrisch liebt Reisen. Sie führten ihn nach Griechenland, Israel und Nordafrika, wo die Sonne zu Hause ist und der Himmel so blau wie nirgend sonst. Ständig betrachtet er die Erlebnisse seiner Reisen durch das objektive Auge der Kamera, unermüdlich auf der Suche nach in Malerei umsetzbaren Motiven. Die Landschaften haben ihn ganz gefangen, das Spiel von Licht und Schatten, von Kontrasten und weichen Übergängen. Die Linien sind sanfter geworden, setzen aber immer noch ein Farbfeld gegen das andere ab. Selbst in der Ferne verschwimmende Berge bleiben gesondert von Erde und Himmel.

Das Spiel der Sonnenstrahlen mit Wasser und Sand, auf Reisen intensiv erlebt, auf den Film gebannt, lebt beim Malen wieder auf – mitten in Köln, von einem der sich wegträumt – in die imaginäre Welt des Lichtes und der Farben. Wenn die Vorstellungskraft des Betrachters ausreicht, mag er ihm folgen.

Dr. Brigitte Hammer, Köln 25 Juli 1982

 

Tranparente Visionen

Die Thematik der Bilder von Werner Matrisch ist in drei verschiedenen Phasen zu sehen. Seine Sehnsucht nach einer imaginären Welt zeigt das rätselhafte von Gefühlen und Phantasien.

Seine ersten Arbeiten sind plakativ – arabeske Bilder mit stark kontrastierenden Farbflächen, Schwüngen und Linien.
Der spätere Surrealismus hat mit seiner Lichtqualität und Leuchtkraft die sinnliche Sensibilität südlicher Landschaften. In der inszenierten Weite wird zu den erscheinenden Symbolfiguren nur scheinbar ein direkter Kontakt hergestellt. Seine traumatischen Erzählungen waren stets auf die eigene Psyche bezogen. Das wichtigste Kriterium für Werner Matrisch sind in dieser Malperiode die Bildsymbole, die sich hiermit verselbständigen.

Die jetzt neu entstandenen Werke zeigen kubische Formen, verschmolzen in Landschaften, die in diesen neuen Dimensionen Schwerkraft mit transparenten Räumlichkeiten verbinden.

Heute erkennen wir in seinen Bildern immer deutlicher den konstruktiven Surrealismus, der seinen eigenen Weg geht: Werner Matrisch hat seine Arbeiten über die Jahre zu einer persönlichen Bildsprache geformt.

Joseph Schotten, Köln 14. Dezember 1983

 

Vortrag zur Eröffnung der Ausstellung: "Werner Matrisch - Malerei"  Galerie Glockengasse , Köln  1986

Werner Matrisch’s künstlerische Arbeit läuft zweigleisig: da ist einmal die Photographie und – auf der anderen Seite – die Malerei. Beides beherrscht er gleichermaßen. Seine Photographien und seine Bilder befruchten einander, sind vom gleichen Bildwollen, derselben Sehnsucht nach Schönheit und Harmonie geprägt; und sind doch jedes für sich selbstständig. Zuweilen findet man bestimmte Bildausschnitte oder Kompositionen der Photographien in den Bildern wieder. Letztlich ist jedoch die Malerei für Werner Matrisch das unvergleichlich reichere, weil ausbaufähigere Medium. Hier gelingt es ihm, die inneren Bildwelten, das Empfundene und das Erfahrene, die Konflikte und Sehnsüchte auszudrücken.

Zu seiner Biographie will ich an dieser Stelle nichts hinzufügen. Sie alle konnten die wichtigsten Daten der Einladungskarte entnehmen – doch eins von dem, was dort aufgeführt ist, sei hervorgehoben: die Reisen. Die meisten Künstler führen in ihrem Lebenslauf Reisen auf, so daß aus einem banalen zweiwöchigen Auslandsaufenthalt gleich eine Studienreise wird; anders bei Matrisch – seine Reisen sind ein nicht zu unterschätzender Schlüssel zum Werk.
Im Süden, besonders in Israel und Ägypten fand und findet er jene Großzügigkeit und Unberührtheit der Natur, die den inneren Bildern und Wünschen – auch im übertragenen Sinne – entsprechen. Landschaftliches, speziell Wüsten – und Meerlandschaften mit ihrem spezifischen Licht –und Farbqualitäten, die man so nur dort findet, finden ihren Niederschlag in den Bildern. Die Natur ist in ihren strukturellen Gegebenheiten erkannt. Hinzu kommen sehr häufig architektonische Elemente.

Denkt man an die vergleichsweise traumatischen, additiv aufgefassten älteren Bilder von Werner Matrisch, so bezeugen die neuen, hier gezeigten, daß heute eine souveräne Klärung das Schaffen bestimmt. „Surrealistisch“ nennen, kann man diese Bilder nicht mehr; vielfach sieht man zwar überraschende Ausschnitte von Realität, ihnen haftet aber nichts künstliches an.

Denken Sie beispielsweise an das Bild “Erinnerung an einen Tag“, von 1986 (es ist auf der Einladung und den Plakaten abgebildet). Auf den ersten Blick könnte man bei dem gelben Fleck im Vordergrund an Dalis aufgeweichte Uhren denken, was aber tatsächlich dargestellt ist, ist eine konkrete Erinnerung an beiläufig Gesehenes, so wie es eben nur ein sensibles geschultes Auge wahrnehmen kann. Die phantastische Kombination des rechteckigen gelben Farbfeldes auf der Mauer, vielleicht ein abgerissenes, von der Sonne gebleichtes Plakatierfeld, mit dem irregulär geformten gelben Farbfleck auf dem Weg davor – fast als wäre der Anstreicher dort mit seinem Farbtopf ausgerutscht – ist dem Künstler auf seiner letzten Reise aufgefallen.

Einige Bildelemente aber, wie z.B. die Mauern, denen, wenn sie den Blick verstellen, immer etwas Geheimnisvolles eignet (siehe „Ende einer Reise, 1986), wie auch Pyramiden, flachwinklig ansteigende Dünenformationen – dies sind Motive, die Matrisch immer faszinierten. Das Magische, barrikadenhaft verstellende vieler architektonischer Detailformen, die auch als Schutzsymbol gedeutet werden können („Die fremde Küste“, 1985), das Furchterregende, was gleichzeitig Neugier weckt – solche bildlichen Metaphern nehmen in der Malerei von Werner Matrisch einen festen Stellenwert ein.

In all seinen Bildern sind Gegensätze in Harmonie vereint: Das Gefaßte und das Offene, das genau Bestimmbare und die dimensionslose Leere. Das Bewußtsein solcher Dualismen in allen Erscheinungen, in Tag und Traum ist hier durch malerische Mittel versinnbildlicht. Feinste, nahezu übergangslose Farbabstufungen korrespondieren spannungsvoll mit hart abgegrenzten formalen Gegenüberstellungen. Das Nebeneinanderbestehen disparater Welten wird inhaltlich gesehen durch befremdliche Gegenüberstellungen verdeutlicht und malerisch, also durch die Farbe und den Duktus.

Übereinanderliegende Wirklichkeitsstrukturen erkennen wir auch bei der Arbeit „Die Schönheit von Nacht und Traum“, das Bild mit den beiden Pyramiden. In ihrer faszinierenden, formalen Strenge und genialen Vereinfachung kontrastieren die leuchtend –rote und die strahlendgelbe Pyramide mit dem weich fließenden Sand im Vordergrund. Die Baukörper haben überlebt in Schönheit und bergen rätselvolle Kräfte. Matrisch verbildlicht dies, indem er sie vor fast schwarzem Hintergrund postiert. Das gleichsam wie ein Nachtstilleben komponierte Bildareal erscheint angesichts des leuchtendblauen, taghellen Himmelsstücks darüber trügerisch. Dargestellt ist also die Gleichzeitigkeit und Gleichrangigkeit der äußeren Bewußtseinsschicht mit der dunklen verborgenen Welt, die jeder in sich trägt.

Wieder ganz andere bildnerische Chiffren für das gleiche Thema sieht man bei „Reinkarnation“, einer Arbeit von 1984. Am unteren Bildrand findet man Landschaftliches in Form einer Hügelkette. Dahinein ist, zerstörend wie ein Keil, ein abgeknicktes Mauerelement eingeschoben, in dem schutzsuchend oder gefangen der Oberkörper eines androgynen Wesens zu sehen ist. In der oberen rechten Bildecke findet man das „Bild im Bild“, ein Motiv, daß Werner Matrisch besonders liebt und häufig einbaut. Dort bilden die Haare der dargestellten Person einen Teil der Hügelkette. Im Nacken laufen Haaransatz und das „Bild im Bild“ nach unten aus und stellen so eine optische und inhaltliche Verbindung her zur unteren Bildzone. Dort taucht das transparente, beseelte Abbild der gleichen Person im Knickpunkt der Mauer, gleichsam wie ein Schatten seiner selbst erneut auf. Die Physiognomie, hier Trugbild im Stein bedeutet die bereits der Vergangenheit angehörende Wirklichkeit des Menschen.

Obwohl es natürlich wenig Sinn hat über bildnerische Details zu sprechen, wenn man diese, dank der großen Besucherzahl, im Augenblick nicht betrachten kann, seien diese Exkurse erlaubt. Wichtig scheint mir, Sie auf die vielschichtigen Erzählfunktionen in den Bildern von Werner Matrisch aufmerksam zu machen.

Die zuletzt entstandenen quadratischen Bilder zeigen uns, daß Matrisch mehr und mehr zu malerischen Reduktionen kommt, daß seine Malerei einem höheren Abstraktionsgrad entgegenstrebt. Ein Bild wie „Harmonie und Stolz“ mit seinen vier gleich großen Farbfeldern beweist, daß nicht länger vordergründig Erkennbares nötig ist, um die beschriebene Themenwahl malerisch zu verifizieren. Trotz strenger Komposition werden durch zarte Farbverläufe und ein räumliches Vor- und Zurückdrängen Übergänge dargestellt. Übergänge von Statik in Bewegtheit, von Hell und Dunkel, von Ratio und Gefühl oder Alltag und Traum.

Lassen Sie mich meine Ausführungen hier beenden mit dem Hinweis darauf, daß Werner Matrisch ein bewußter Träumer, ein strenger Romantiker ist, dessen immer neue Bilderfindungen jedem etwas geben, der sich auf sie einlässt.

Dr. Gabriele Lueg, Köln Mai 1986

 

Zu den Bildern von Werner Matrisch

Die allzu populäre Unsitte, in Kunstwerke etwas hinein – oder aus ihnen etwas herauszulesen, hat noch vor keiner Malerei haltgemacht. Gefühle, Empfindungen und Sentiments werden auf diese Weise in das Korsett von Formen, Stile und Ideale eingeschnürt, um einer statistikgläubigen Kategorisierungssucht sowie den damit zusammenhängenden Betonungen Genüge zu leisten.

Auch die Bilder von Werner Matrisch ließen sich sowohl vom Sujet als auch von dessen Handhabung und Gestaltung her leicht unter diese oder jene Kunstbeflissenheit einreihen. Indes würde uns eine solche Annäherung weder dem Erleben noch dem Wesen seiner Bilder zufriedenstellend in die Nähe bringen.

Eher muß es darum getan sein, unsere Wahrnehmung in die Wahrnehmung des Künstlers zu versetzen, um so einen Bezug zu der einem jeden Bild innewohnenden Ästhetik zu finden. Indem wir diesen Bezügen nachgehen – mögen sie Nützlichkeit, Erkenntnis, Pracht, Freiheit oder Abwandlung lauten -eröffnet sich uns der von Werner Matrisch hervorgerufene ästhetische Charakter seiner Bilder.

Zwei auf seine ihm eigene Wahrnehmungsausrichtung sich gründende ästhetische Charakterzüge treten in seinen Bildern hervor. Zum einen ist es Unbefangenheit gegenüber dem Darzustellenden. Geradezu ruchlos konfrontiert er uns mit einer rationalen Illusion, die fast schon an die Grenzen der metaphysischen Unverbundenheit stößt. Und zum anderen liebäugelt er mit einer dürftigen Unbildung der Sujets, indem er sie über die Enden der Leinwand hinaus führt: für sich selbst wie auch für den Betrachter. Er betont Endlosigkeit und zwingt uns zur eigenständigen Kontemplation. Auf diese Weise nehmen wir Anteil an ästhetischen Wahrnehmungsvorgängen, die mehr sind als eine künstlerische Schikane.

Mir scheint, daß diese beiden ästhetischen Züge sowohl seinen Drang zur Fotografie als auch seine fotografischen Exkurse bestimmt haben. Nirgends, selbst nicht im Porträt, wird der Eindruck erweckt, es handle sich um ein Fertiges, so wie wir es vom Berufsfotografen erwarten. Jedesmal sind es unbefangene Unbildungen, wenn man so will, Stückwerke einer materiellen und immateriellen Ansicht, auf denen ihre Spezifität wie ihr Reiz.

Prof. Dr. Alphons Silbermann, Köln 1984

 

BEZUGSOBJEKT. ANSCHLÜSSE. WERNER MATRISCH’S FOTOARBEITEN.

Ein paar Gedanken.
Die fotografischen Arbeiten Werner Matrisch’s, der lange Jahre zur Hauptsache Maler war. Diese Arbeiten passieren nun parallel zur Malerei. Auf den Reisen entstehen fotografische Bilder. Seine Bilder von Ägypten, Hawai, Australien, Nordspanien, vielen arabischen Ländern sind fotografische.

Bezeugen nicht diese Fotos der letzten Jahre einzig die Lust an nur einem Motiv? Im Bildrechteck sollen maritime Architektur und Meer gegeneinander stoßen. Anders gesagt, durch gemauerte Architektur hindurch, an ihr vorbei und über sie hinweg ist ein Blick auf ein Stück Meer möglich. Ist es in Wirklichkeit die Begierde nach dem Meer? Die im Ausschnitt gegebenen Treppen, Durchgänge, Ecken, vor allem die Mauern und Brüstungen wären dann selbst wieder Rahmung und Inszenierung.  Des Meeres.  So gesehen also, des in aller Herren Länder selben Meeres.

Die harten Kontraste von südlichem Sonnenlicht und entsprechend tiefen Schatten, von Hell und Dunkel, verleiten dazu, Matrisch’s Fotoarbeiten zur Hauptsache grafisch, als formale Komposition zu sehen. Tatsächlich gibt es einige Fotoübermalungen. Sie sind nur flächenbezogen. Noch jüngere Arbeiten, die Bildpaare der schwingenden Geländer, werden frei komponiert, ohne Rücksicht auf Oben und Unten. Wiewohl die Kopplung ebenfalls bei den Fotoreihen häufig rein formal motiviert scheint, handelt es sich nicht um abstrakte Fotografie.

In jedem Bild ist auch das „Wirkliche“ eingefangen, so als seien es Urlaubsfotos.

Ein Tanker, vom Bildrand angeschnitten, auf See. Eine weisende Hand. Palmblätter. Eine Tonne im Sand. Ein rennender Junge. Abendstimmung. Das Mittelmeer bei Alexandria.

Zwangsweise können in dieser letzteren Dimension einige der Fotoreihen Geschichten erzählen.  Zeit.  Geschichten des „Wirklichen“. Wie nun stehen diese zur strukturellen, quasi-abstrakten Wiedergabe der Architektur? Und zum Bezugsobjekt „Meer“?

Im anschauenden und interpretatorischen Sinne eignet den Fotoarbeiten von Werner Matrisch Vielansichtigkeit. Aber was sagt das?

Die Einzelfotos der Reihen und Bildpaare sind nicht mit kleinem Zwischenraum nebeneinander gesetzt. Sie sind Kante an Kante aneinander geschoben. Viele wirken auf den ersten Blick wie lang-rechteckige Großfotos. Je nach Motiv oder je nach der Art des Anschlusses von einem Foto zum anderen, spielen die Arbeiten mit dem Schein eines fotografischen Ausschnitts kontinuierlicher Architektur oder man glaubt es handle sich um serielle Fotografie. Das Problem der Kopplung aneinanderliegender Fotos. Das Problem der Anschlüsse. Es ist die Lust des Betrachters, die jeweilige Art des Anschlusses zu erkennen. Licht und Schatten spielen eine Rolle, aber das ist nicht durchgängig. Auch nicht in ein und derselben Reihe. Das Phänomen der Anschlüsse. Von hier aus sollte man die Fotoarbeiten Werner Matrisch’s einmal angehen. Perspektive und Bezüge.

Dr. Wilfried Dörstel,  Köln / August 1990

 

Farbstrudel in Gelb und Grün

In den 80er Jahren faszinierte Werner Matrisch das Spiel von Licht und Schatten. Die Atmosphäre lichtdurchfluteter Wüstenstädte, die er auf Reisen nach Tunesien, Ägypten und Jordanien kennen gelernt hatte, flossen in abstrahierte Landschaften ein. Von den lyrischen Ölbildern -einige verraten die Verehrung für René Magritte - hat sich der in Werl geborene Kölner verabschiedet.

Heute schwelgt er in Farbe. "Der reine Malprozess ist wichtiger geworden" , sagt er. "Und schneller". Kein Arbeiten im Sitzen mehr, kein " Gepingel". Matrisch steht vor der Leinwand und trägt schwungvoll auf. Ausschließlich in Öl. Das ist sensibler, sagt er. Acryl ? Viel zu hart und zu matt im Glanz. Der Betrachter weiß das zu schätzen. Er sieht und spürt die Signale, die Matrischs Bilder aussenden. Die meditative Stille ebenso wie das Ungebändigte. Hier ist Farbe in Bewegung. Wildes Wogen, ungezähmtes Wirbeln, ein Rausch in Blau, ein Strudel in Gelb und Grün.

"Wer Angst vor Farbe hat, sollte meine Bilder nicht anschauen", erklärt Matrisch und lächelt. Alle anderen sind eingeladen zum Nachfühlen, Nacherleben und Verstehen.

Ralf Schreiner, Dinslaken  22. April 2006  (Rheinische Post)