Vortrag zur Ausstellung

Eröffnungsrede für die Ausstellung

3DIMENSIONAL
Werner Matrisch – Sybille Humboldt – Niko Hübner


Alte Feuerwache Köln / 13. Januar – 23. Januar 2008)

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie ganz herzlich zur Ausstellungs-Eröffnung „3Dimensional“ hier in der Alten Feuerwache. Die drei Künstler : Werner Matrisch, Sybille Humboldt und Niko Hübner, die heute ihre Werke präsentieren, sind für viele von Ihnen keine Unbekannten mehr. Jeder von Ihnen hatte bereits Einzel- oder Gemeinschafts-Ausstellungen. Matrisch, Humboldt und Hübner kennen sich schon länger und so lag es nahe, einmal an eine gemeinsame Ausstellung zu denken. Und das hier ist das Ergebnis.

Der Titel der Ausstellung „3-Dimensional“ ist mehrdeutig. Zunächst einmal assoziiert er den geometrischen Begriff „dreidimensional“. Dreidimensional bedeutet, dass durch den Abstand unserer Augen zwei unterschiedlich ebene Bilder auf der Netzhaut zu einem Bild mit einer räumlichen Tiefe zusammengesetzt werden. Und dadurch oder damit können wir zum Beispiel Vorder- und Hintergrund unterscheiden. Also perspektivisch sehen.

3-Dimensional“ will aber auch einfach darauf hinweisen: hier handelt es sich um drei Künstler.Und „dimensional“? Dimensional bedeutet „die Ausdehnung betreffend“.Hier in der Ausstellungshalle können wir nun gut verfolgen, wie sich drei Künstler künstlerisch individuell „ausdehnen“. Jeder befindet sich sozusagen in seinen eigenen Dimensionen.

Werner Matrisch ließ sich in den ersten Jahren seiner Malerei besonders von Surrealisten wie Magritte, Dalí oder De Chirico anregen. Seine Arbeiten aus den 70er Jahren zeigen deutlich, wie sehr er von den bizarren oder romantischen Traumwelten dieser Maler fasziniert war. Aber grundlegend prägende Einflüsse für seine Malerei wurden später seine Reisen, die ihn fast immer in südliche Länder und in den Vorderen Orient führten. So wie Werner Matrisch hier die Natur wahrnahm, wurde sie zum Schlüsselbegriff für seine Kunst. Er setzte all seine ganz persönlichen Eindrücke in Bilder um.

Seine Malerei aus den 80er Jahren zeigen vordergründig abstrahierte, lichtintensive und farbvolle Landschaften, mit vereinzelten architektonischen Elementen. Doch darüber hinaus machen sie auch seine Sehnsucht nach Weite, Unberührtheit , Freiheit und Unabhängigkeit deutlich.Die Bilder von Werner Matrisch, die in den letzten 2 Jahren entstanden sind, zeigen eine Tendenz zur teilweise völligen Abstraktion und einem immer freieren Umgang mit der Farbe. Er versucht auszuloten, welche Möglichkeiten eine einzige Farbe bietet, um das auszudrücken, was er fühlt.

Wie bereits erwähnt, sehen wir in Matrischs Bildern der letzten Jahre eine größere Abstraktion. Es ist aber trotzdem immer noch eine große Verbundenheit zur Natur in seinen Bildern zu sehen. Je nach persönlicher Betrachtungsweise der Bilder kann festgestellt werden, dass ihn weiterhin die Landschaften, oder die Natur allgemein, faszinieren. Seine malerische Reduktion lässt aber mehr Raum für eine thematisch befreite Betrachtungsweise und Empfindung.

Matrisch, der immer schon mit der Romantik, mit Sehnsucht und Fernweh als Lebensgefühl liebäugelte, hat sich in den Bildern der letzten 12 Monate erstmalig mit der Farbe „Schwarz“ beschäftigt, was verwundern mag, denn „Schwarz“ wird allgemein nicht gerade als eine „Farbe der Romantik“ eingestuft. Allerdings hat der Einzug dieser Farbe in Matrischs neuen Bildern nichts Negatives, und hat auch nichts mit Depressionen zu tun. Wohl aber mit Ungreifbarkeit und Rätselhaftigkeit.

Es geht ihm um die Tiefe, und die besondere Endgültigkeit welche „Schwarz“ gerade im Kontrast mit anderen Farben erhält. Matrisch sieht es auch so, dass wir im Grunde von einem „imaginären Schwarz“ umgeben sind - vom ewigen Schwarz des Universums, in dem unser Planet sich dreht.

Bei den Bildern von Sybille Humboldt wird der Betrachter häufig mit einem kräftigen „Rot“. konfrontiert, welches in vielen Abstufungen große Flächen ihrer Werke deckt.Der Farbe „Rot“ kann man vor allem sehr gegensätzliche Eigenschaften zuordnen: pulsierendes Leben oder Lebensfreude allgemein und Aktivität. Aber auch der Schmerz, das Blutvergießen und intensives Leiden stehen für die Farbe „Rot“.

Diese Gegenüberstellung wechselt je nach der persönlichen Lebensbefindlichkeit ständig von Kampf und Leid zu Ruhephasen der Freude, bisweilen sogar der Euphorie - oder auch umgekehrt. So wie im Leben eines jeden Menschen die verschiedensten Schicksalsströme „ineinander und auseinander fließen“ und so durch Veränderung neue Lebensbedingungen schaffen, hat Sybille Humboldt gelernt, dass sie sogar naturgesetzmäßige Veränderungen durch ihre Kunst und Lebenskraft positiv lenken kann.

Alles ist „im Fluss“ und verändert sich. Farben und Formen verbinden sich ruhig oder ungestüm – und fließen wieder auseinander. In der Ausarbeitung der intuitiv gewählten Farben werden Leben und Nuancenreichtum sichtbar. Oft setzt sie neben ein leuchtendes Rot eine andere, ebenso kräftige Farbe als Mit- oder Gegenstreiter.In der Malerei von Sybille Humboldt findet sich neben dem Bestreben nach Harmonie und Schönheit auch der Drang, Gegensätzliches zu betonen und es nebeneinander gleichrangig bestehen zu lassen.

Sie experimentiert neben ihrem großen Farbspektrum mit den verschiedensten Materialien und arbeitet diese harmonisch in ihre Bilder ein. Neben ihren abstrakten Arbeiten findet man auch Bilder, die von ihrer Suche und Zuneigung nach anderen, einfacheren Lebensformen zeugen: Utensilien, Fragmente und konkret gemalte Zeichen oder Muster erinnern an mystische Gegenstände zum Beispiel afrikanischer Zugehörigkeit.

Nach so viel gemalter Farbigkeit bilden die Objekte von Niko Hübner und seine reinen Materialbilder in ihren natürlichen Erdfarben einen spannungsreichen Kontrast.

Niko Hübner ist seit Jahren als Möbeldesigner und Möbelbauer tätig. Seine neueste Arbeit auf diesem Gebiet ist ein langer Holztisch in dem er eine schmale Nut von hellem LED Licht integriert hat. Tische sind für ihn ein wichtiger Ort der Kommunikation. Deshalb wird er nicht müde, immer wieder neue Varianten zu gestalten.Möbeldesign - also Entwerfen - ist selbstverständlich eine künstlerische Angelegenheit.

Daher verwundert es nicht, dass er auch die Kunst schafft, die viele Leute landläufig mit dem Begriff Kunst verbinden: Zeichnungen, Materialbilder und besonders beeindruckend seine Licht-Skulpturen.

Niko Hübner schafft Kunst der unterschiedlichsten Themen, Formen und Materialien. Dabei benutzt er überwiegend natürliche und naturbelassene Materialen wie Holz und Sand, aber auch Eisen, Aluminium und Glas. Diese Materialien fügt er sorgsam zu einer künstlerischen Einheit zusammen. Harmonie, Klarheit und Ästhetik sind die deutlichsten äußerlichen Merkmale seiner Kunst. Inhalt seiner Kunst ist vorherrschend der Mensch und das Verhältnis der Menschen untereinander.

Eines seiner neuesten Bilder zeigt sehr schön und zugleich einfach in drei Teilen den wachsenden Lebensweg eines Menschen mit seiner zugleich wachsenden Umwelt. Der Weg und die Entwicklung des Menschen werden kenntlich gemacht, durch einen mit Blattgold überzogenen Stein, der in den drei Teilen des Bildes jeweils immer etwas größer wird. Umgeben ist dieser besondere Stein von einer Menge „ namenloser“ grauer Steine, die die wachsende Gesamtheit seiner Umwelt darstellen. Jeder einzelne Mensch sollte sich dementsprechend als etwas Besonderes erkennen. Wertvoll wie Gold.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich danke Ihnen sehr für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche mir, Ihre Neugier auf diese Ausstellung geweckt zu haben.
Und bitte noch ein Schlusssatz: Niko Hübners „Kommunikations-Tisch“ darf – im Gegensatz zu den anderen Objekten und Bildern – gerne angefasst werden.
Vielen Dank.  

Wilfried Engelbert, Köln