Graffitis in Lissabon

Im April 2012 besuchte ich für 10 Tage Lissabon. Ich war dort schon einmal 1983 gewesen - zwar nur für 3 Tage - aber hatte gute Erinnerungen an diese wunderschöne Stadt. Auch 2012 ist Lissabon immer noch eine sehr sehenswürdige Stadt, aber im Gegensatz zu 1983 ist nun die Armut des Staates an allen Ecken und Kanten unübersehbar. Man sieht jetzt auf Strassen und Plätzen in beunruhigender Vielzahl Menschen die betteln: Penner, Alkoholiker Wahrsagerinnen, aber auch viele Körperbehinderte. Es gibt Häuser im Stadtzentrum (und nicht wenige), da hat man Angst, nahe daran vorbeizugehen, weil man befürchtet, es könnte sich eine von den schönen alten Kacheln ablösen und auf deinen Kopf fallen. Es scheint schier unmöglich, die riesige  Menge der ehemals wunderschönen alten Bauten zu renovieren. Oftmals sind die Häuser ganzer Straßenzüge fast nur noch im Untergeschoß bewohnt, d.h. meistens befinden sich dort kleine Lädchen verschiedenster Art. Die oberen Etagen sind verbarrikadiert. Und die Fenster sind  oft zugemauert oder mit Brettern vernagelt, damit sich keine Hausbesetzer dort einnisten. Hinzu kommt, dass die Stadt in großen Teilen total mit Graffitis überzogen ist. So etwas habe ich noch nicht gesehen  - auch nicht in Berlin-Kreuzberg! Auch da scheint sich die soziale und gesellschaftliche Realität zu spiegeln. Ich habe  viele von diesen sehr unterschiedlichen Graffitis fotografiert. Einzelnd für sich genommen, haben oft auch die ganz und gar „unkünstlerischen Sprayerwerke“ - zumindest in der optischen Begrenzung eines Fotos eine gewissen ästhetischen Reiz.