A LOVE LIKE OURS

 

A LOVE LIKE OURS  (1999)

Barbra Streisand’s private Love-Symphony 

 

 

Nun hat Barbra Streisand ihre letzte Arbeit dieses Jahrzehnts vorgestellt, ein tiefpersönliches, privates, fast schon intimes Album, welches daherkommt wie ein verspätetes „Wedding-Album“. Ihre wichtige Botschaft, so erklärt sie im Booklet der neuen CD, ist die erfahrene Liebe und Freude, welche sie weitergeben und teilen möchte.

„ Oh, Barbra, ....es ist ein wunderschönes Album, mit wunderschönen Songs und einer, (ist das möglich?) noch schöneren Stimme. Aber ich fürchte, die großen Kritiker werden böse drüber herfallen! Kritiker mögen meistens keine Love-Songs, softe Streicherklänge und derart seelenvolleund private Stimmungsbilder am laufendem Band! Sie mögen erst recht nicht glühende Sonnenuntergänge, Meeresrauschen und ein liebendes Paar. Dafür haben sie sofort ihre Schlagworte zur Hand: Liebesschnulzen, sentimentale Rührstücke, Kitsch!“

Liebe Barbra, das Cover, überhaupt das Booklet ist für diese Kritiker fast eine Provokation: Barbra im Brautkleid, (Time-Magazin schrieb dazu nur „Gott behüte!“), Barbra und James als Strandläufer, Barbra Huckepack an James Rücken, Kuß –und Umarmungsfotos ...usw. Und die CD nennst du: „Eine Liebe wie die Unsrige“. Findest du das nicht ein bißchen dick aufgetragen? Du konntest kaum mehr machen, um das Missfallen und den Spott der Journalisten zu erregen, die dich immer schon als „Kitschliese“ eingestuft hatten, egal wie lupenrein auch immer dein Gesang war. Es gibt eben Leute, die stehen „wie der Ochs vorm Berg“, wenn sie eine gute Stimme mit "Schönsingerei" hören - und wissen nichts damit anzufangen. Im Ernst, deine neue CD sieht austauschbar-kitschig aus wie diese Kuschel-Rock CD‘s. Oder wie eine Anzeige für eine Südseereise aus dem Reiseprospekt!  Ich verstehe ja durchaus deinen Hinweis auf das motivähnliche, Grammy-prämierte People-Album-Cover von 1964, welches sich durch Originalität auszeichnet. Das neue Cover funktioniert zwar für Barbra-Insider über den Kopf, (sie wissen was gemeint ist), aber für alle anderen funktioniert es optisch nicht. Viele mögliche Käufer laufen nichts ahnend an der neuen Streisand CD vorbei, weil Barbra's markantes Konterfei fehlt. Tut mir leid Barbra, ich lobe dich immer wie ich nur kann (aus Überzeugung), aber für dieses CD - Outfit gibt es kein Pardon. Mein Vorschlag wäre: Das Sonnenuntergangsfoto, wenn es denn sein soll, auf die Rückseite der CD verbannen, vorne ein attraktives Foto von dir und vielleicht auch ein neuer Titel, zum Beispiel: „Just One Lifetime“.

Aber wie immer warst du konsequent, und du weißt genau, warum du es so gemacht hast. Und mit dem gleichen Augenaufschlag, mit dem du am Ende des Film „Whats Up Doc“ zu Ryan O’Neal jenen berühmten Satz "Liebe heißt, niemals um Verzeihung bitten zu müssen", sagst, könntest du jetzt über dein neues Album äußern, welches in der ersten Woche von Null auf Platz 6 der Billboard-Album-Charts stürmte - und einige Wochen später bereits Gold und Platin Status erreichte : “Was mache ich richtig, was machen die anderen falsch?“ (Dieser herrlich-selbstbewusste Satz von dir stammt aus dem langen Playboy-Interview aus dem Jahre 1977).

Zur Musik

Vorerst ist zu sagen, daß ihr vorheriges Album „Higher Ground“, 1997 in seiner subtilen Vielfalt und Unterschiedlichkeit des Liedmaterials ungewöhnlicher, spannender und anspruchsvoller war. Die neue CD ist dagegen rundum harmonisch, eher entspannend als spannend, ein Leichtgewicht. Aber dennoch: was für eins! Wer eine so brillante Stimme wie Barbra Streisand hat, darf sich auch mal diesen schwelgerischen Streifzug der Gefühle leisten. Das Album hat den therapeutischen Effekt eines wundervoll duftenden Orchideen-Bouqets. Diese Lieder vermitteln sofort die wohlige Wärme eines Karminfeuers oder eines Candlelight-Dinners, aber ebenso auch ein Empfinden von Zärtlichkeit, Beschütztsein, Verständnis, Verstehen, Ehrlichkeit,Vertrauenm und  Liebe.

Vom ersten bis zum letzten Lied ist „A Love Like Ours“ eine Love-Symphonie in Reinkultur. Man könnte jedes Lied nahtlos an das nächste setzen, so als wäre es nur eine weitere Strophe oder Ergänzung des vorherigen Liedes. So ist diese CD von einer außerordentlichen Homogenität, in die der eine Hörer voller Verzauberung eintauchen mag...die aber ein anderer Hörer bei 12 Titeln und einer Laufzeit von über 50 Minuten eintönig finden wird. Wie und was den Menschen gefällt, hat auch immer mit der eigenen Bereitschaft der Zuwendung für eine Sache zu tun. Und diese CD hat doch trotz einer überwiegend sanften Barbra mit mehr oder weniger sentimentalen Gefühligkeit große Hinhörqualität. Unter den zwölf Songs gibt es immerhin fünf Meisterwerke an denen wir uns erfreuen und zu deren Besprechung ich später komme: „I’ve Dreamed Of You“, Isn’t It A Pity“, The Island“ und natürlich „The Music, That Makes Me Dance;!“

So wie schon auf „Higher Ground“ 1997, zu hören war, ist auch bei „A Love Like Ours“ anzumerken, daß sich Barbra Streisand’s gesangliche Qualitäten, den reinen Ausdruck betreffend, in den letzten Jahren noch gesteigert haben. Immer überzeugender ist sie auch neben der bloßen Sängerin mit guter Stimme, eine Darstellerin von lyrischen Texten geworden, deren Aussage sie mit ihrem individuellem Ausdruck zur Vollendung bringt. Ich weiß, das sind große Worte, aber ich kann nur betonen: Genaues Hinhören ist angesagt! Wer singt sonst noch so, wer formt sonst so kunstvoll die Worte, außer Barbra?

Mit ihren 57 Jahren hat Barbra Streisand ein Alter erreicht, in dem die meisten Sänger ihren Zenit überschritten haben und der Fan vor jeder neuen CD bangt. Wie beruhigend und wie schön, dass dieses Bangen vorläufig noch ganz unnötig ist. Mag sein, dass sie die frühere, unglaubliche Dynamik und Kraft in ihrer Stimme immer weniger spontan und nur sehr konzentriert einsetzt, aber weicher, voller und selbstsicherer als heute hat ihre noch immer unvergleichliche Stimme nie geklungen. Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, daß Streisand den überwiegenden Teil dieser CD live mit dem Orchester aufgenommen hat.

Diese von ihr seit jeher bevorzugte Arbeitsweise, nämlich bewusst und souverän jonglierend zwischen den groß zur Schau gestellten Gefühlen, und der gleichzeitig stets präsenten höchsten Qualität in ihrer Darstellung oder Gesang, dieses Markenzeichen der Streisand kennzeichnet auch die neue CD „A Love Like Ours“.

Mit der Ballade „I‘ve Dreamed Of You“, welche schon vorab als Maxisingle erschien, eröffnet Barbra betont stimmungsvoll und ruhig ihren Reigen melodischer Love-Songs. Das Lied, eine Ballade mit vier musikalisch gleichen Strophen ist nicht nur ein langsam-getragenes Liebeslied, sondern ich möchte es irgendwo zwischen Kunstlied und Minnesang einordnen, obwohl die reiche Instrumentierung des Stückes dieser Musikgattung widerspricht. Das Lied erinnert auch an die auf der „Classical Barbra“ CD (1976) erschienenen Claus Ogerman Komposition „I Loved You“. Die Flöte gleich zu Beginn der Aufnahme hat die idyllische Morgenstimmung der Grieg’schen Peer-Gynt-Suite. Mit den federnd-sanften Klängen der akustischen Gitarre setzt weich das schönste Instrument, Barbra’s Stimme ein, dem später zaghaft die sinfonischen Streicher folgen. Durch die besondere, intensive Nähe und Wärme ihrer Stimme eröffnet sich eine intime, bewegende Atmosphäre. Ihr ruhiger, beinahe timbrefreier Vortrag meidet das falsche Pathos und nur für zwei, drei kurze Momente in diesen vier Strophen „erhebt“ sich ihre Stimme so, wie man es von „Der Streisand“ gewohnt ist. Ich wüsste nicht, wer heute von den sogenannten Popsängern und Unterhaltungsstars außer Streisand in der Lage wäre, solch ein Lied in dieser Vollendung zu singen, und was noch interessanter ist, so mutig zu sein, es überhaupt zu produzieren und auf den Markt zu bringen!

Es folgt als zweites Lied ein großer Klassiker, der Gershwin-Song „Isn’t It A Pity“. Nachdem man diesen Song gehört hat, ist die Erwartungshaltung für die weiteren Titel des Albums an die oberste Grenze geschnellt. Aber es ist klar, dass dieser Höhepunkt sich nicht ständig wiederholen kann, sonst wäre es ja auch kein Höhepunkt mehr.„Isn‘t It A Pity“ wurde schon von den meisten großen Interpreten gesungen, aber wenn man Streisand’s Version hört, glaubt man den Song zum ersten male „richtig“ zu hören. Begleitet von einem stimmigen, klassischem Arrangement, welches in der Mitte des Songs ein Harmonica-Solo bereit hält, zeigt Barbra mit ihrer unnachahmlichen Phrasierung, perfekter Intonation und natürlich glasklarer Stimme was sie mit einer Melodie und einem gehaltvollem Text machen kann!  Eine beeindruckende Könnerin! Es stimmt, es ist nichts Neues was Barbra Streisand auf dieser ruhigen, wenig spektakulären CD präsentiert. Es gibt keine Überraschungseffekte. Auf „A Love Like Ours“ singt Barbra Streisand schöne Songs mit Stimme pur, die vielleicht nur echte Streisand-Fans und „Stimm-Puristen“ interessiert und begeistert. Kritiker sind ja häufig sehr streng: Alles und jeder soll sich andauernd weiterentwickeln, neue Stile und Ideen kreieren usw. Andernfalls spricht man sofort von Klischees, Stagnation oder sogar Eigenplagiat.

Barbra Streisand war nie bemüht einen Song wie beispielsweise Ella Fitzgerald unermüdlich immer weiter ideenreich zu improvisieren. Bei Barbra gibt es höchstens leichte, ganz zarte Variationen, die nur wenig von der eigentlichen Melodie abweichen. Wenn Barbra eine Komposition liebt und diese auswählt, nimmt sie sich voll und ganz der reinen Melodie an, so wie sie geschrieben wurde. Besonders dann, wenn sie so gut ist, wie ein Gerswhin-Song! Barbra Streisand achtet das Werk eines Komponisten und gibt der Schönheit von Text und Melodie möglicherweise einen neuen Ausdruck durch ihre eindringliche, intelligente Interpretation und der Magie ihrer Stimme. Das ist ihr bei „Isn’t It A Pity“ absolut gelungen.

Die Brasilianer Ivan Lins & Vitor Martins haben den Song „The Island“ komponiert. Barbra’s langjährige Freunde, das Ehepaar Alan & Marilyn Bergmann erneuerten speziell für Barbra ihren Songtext, der durchaus erotische Momente enthält. Schon wenn die ersten Bossa-Nova-Takte erklingen wird man gleich an „Speak Low“ vom „Back To Broadway“ Album (1993) erinnert. Natürlich sind für diese CD wieder großartige Studiomusiker und Solisten engagiert worden. Bei „The Island“ spielt der brasilianische, wohl überhaupt berühmteste Percussionist Paulinho DaCosta. Das Tenor-Saxophon-Solo wird von dem sehr schnell avancierten Superstar Kenny G. gespielt. Barbra’s Stimme klingt auf dieser Aufnahme so hell, jung, und unverbraucht, dass man ihr höchstens 30 Jahre gibt. Leicht rhythmisch, und dabei federleicht schwebend, offeriert uns ihre Stimme impressionistisch schimmernde, einschmeichelnde Klangfarben. Es ist wirklich unglaublich, daß dies die Stimme einer 57jährigen Frau ist, die mit „A Love Like Ours“ ihr 55. Album gemacht hat, ganz zu schweigen von Konzerten, Musicals, Musikfilmen und TV-Shows die monatelanges Singen und Proben in den Tonstudios bedeuten. Noch ein, zwei Songs dieser Art hätten dem Album recht gut getan!

Love Like Ours“, der Titelsong der CD ist ein zunächst unspektakuläres Lied, welches aber nach öfteren Hörem mehr und mehr beeindruckt. Geschrieben und komponiert wurde es von den Bergmanns und Dave Gruisin, der hauptsächlich im Jazzbereich arbeitet. Wenn man es mit einigen der später folgenden Balladen vergleicht, fällt einem auf wie sanft und zurückhaltend es arrangiert wurde. Zu Beginn ein hellklingendes, lyrisches Piano, dem dann leise, unaufdringliche Streicher folgen. Barbra Streisand, die diese Art von ungewöhnlichen Melodien liebt, hat die besondere Qualität der Komposition erkannt und singt diesen Song mit großer Sensibilität. Durch ihre erlesene Interpretation wird die schlichte Komposition, die auf dieser CD am ehesten mit „I‘ve Dreamed Of You“ zu vergleichen ist, ebenfalls zu einem klaren Kunstlied.

Für das Duett „If You Ever Leave Me“ hat sich Barbra als Partner den amerikanischen Super-Country-Star Vince Gill ausgesucht. Zwar ist diese CD den heutigen Musiktrends und -strömmungen so fern wie möglich, aber bei ihren Duetten, und der Wahl ihrer immer populären Partner, schielt Barbra Streisand doch schon etwas nach verkaufsfördernden Möglichkeiten. Dieses neueste Duett ist vielleicht das beste der letzten Jahre. Nein, wir brauchen keine Angst vor Country-Geschrammel zu haben. Es ist ein schöner Song, bei dem nicht ganz so effekthascherisch und simpel auf die Pauke gehauen wird, wie das bei „Tell Him“ der Fall war. Vince Gill’s Gesang wirkt echter als das aufgesetzte, Gefühl vortäuschende Gehauche und Gezitter von Celine Dion. Die beiden, gut kontrastierenden Stimmen passen besser zueinander und der Song hat einen schönen, vorwärtstreiben Drive. In Europa (zuerst in Holland) gibt es diese Aufnahme als Maxisingle mit zwei Bonusstücken, die auf der CD nicht enthalten sind. (Raffiniert!) Die Amerikaner müssen mal wieder das komplette Album kaufen, wenn sie das Duett haben wollen. Ebenso wurde ja auch mit "Tell Him“ verfahren.

Im ähnlichem Stil, was den ganz schwachen Country-Touch betrifft, folgt das leicht schwingende „We Must Be Loving Right“. Ich hätte es vorher nicht geglaubt, aber irgendwie liegt Barbra auch dieser Song, den man sich gut auf Streisand’s „Stoney End“ Album von 1971 vorstellen könnte. Wieder ist zu bemerken, dass ihre von Piano, Violinen und akustischen Gitarren begleitete Stimme so charmant, soft und jung klingt, dass die 28 vergangenen Jahre seit „Stoney End“ ihrer Stimme in keiner Weise anzuhören sind.

Die drei bittersüßen Balladen „If I Never Met You“, „It Must be You“ und das dramatischere „If I Didn’t Love You“, differieren zumindest musikalisch gesehen nicht so sehr, dass ich sie extra beschreiben müßte. Die Songs wirken innerhalb dieses Albums wie eine Trilogie. Auffallend bei „If I Never Met You“ sind allerdings die traurig-melancholischen Klangfarben in Barbras Stimme, obwohl sie doch „If I Never met You“ singt! Persönlich gefällt mir von diesen drei Songs am besten „It Must Be You“, weil es eine so schöne Steigerung zum Mittelteil des Liedes gibt, in dem Barbra vielstimmig mit sich selbst singt. Das klingt gut und ist so wirkungsvoll, daß man sich fragt, warum Barbra diese technische Variante in ihren Liedern nicht öfter anwendet.

Mit dem folgenden Stück „Just One Lifetime“ erhält diese CD wieder ein Highligt! Der Song wurde geschrieben von Melissa Manchester, selber eine berühmte Sängerin, und Tom Snow. Die Aufnahme beginnt und endet jeweils mit den gleichen Klängen, die ich etwas merkwürdig finde: der Synthesizer simuliert Violinen -und Harfentöne, die so arrangiert sind, dass man automatisch an Wiener Salon -oder Kaffeehaus-Musik denkt. Aber dies ändert sich schnell, wenn Barbra’s Stimme einsetzt. Zunächst ist ihr Vortrag ganz sanft und ruhig. Aber mit jedem weiterem Wort wird ihr Singen intensiver. Bald entwickelt sich dieser Song zur hochdramatischen, hymnischen Liebesarie. Barbra Streisand - selten auf dieser CD- zieht noch einmal alle Register, indem sie ihr berühmt-berüchtigtes „Schreivolumen“ einsetzt, welches den immer noch phänomenalen Reichtum ihrer Stimme zeigt und uns für die ansonsten etwas gleichförmige Art des Albums entschädigen mag!

Als ich die ersten Informationen zur CD „A Love Like Ours“ bekam, freute ich mich sehr, dass wieder eine Michel Legrand Komposition dabei war. Das komplizierte Lied “Wait“ hatte er Barbra Streisand schon 1969 angeboten, die es damals jedoch nicht singen wollte. Nachdem ich jetzt das Lied mehrmals gehört habe, muss ich sagen, wenn ich kritisch bin, dass es die einzige Aufnahme auf diesem Album ist, wo eine Veränderung und ein Nachlassen ihrer stimmlichen Fähigkeiten bei hohen Extrempassagen wahrzunehmen sind. Ihre Stimme klingt etwas angestrengt, wenn sie nach Legrand-Manier (man denke an „Papa, Can You Hear Me“) in immer höhere Höhen steigen muss. Was ihr an dramatischen Höhepunkten in „Just One Lifetime“ so glänzend gelingt, wirkt bei „Wait“ leicht forciert.

Um diese CD irgendwie erinnerungswürdig abzuschließen, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man lässt sie mit einer extrem zarten, herrlichen Melodie ausklingen, oder aber man entschließt sich für einen großartigen, leidenschaftlichen Song, der donnernd endet! Das letztere hat man getan, und das war gut. So ist denn auch „The Music, That Makes Me Dance“ , die einzige wirkliche Überraschung dieser CD. Erstens, daß Barbra Streisand dieses Lied nach 35 (!) Jahren zum ersten Male wieder singt, denn es ist ja nicht „irgend“ ein Lied, und zweitens, wie sie es singt! Das Abschlusslied aus dem Broadway-Musical „Funny Girl“ (1964), kennt jeder bisher nur in dieser einen kraftvollen, umwerfenden Version der zweiundzwanzigjährigen Barbra Streisand. Es gehört viel Mut dazu, ein so starkes Lied, an das sich jeder Fan als eine phantastische Vorstellung erinnert, nach 35 Jahren wieder aufzunehmen und es im Vergleich neben die erste Aufnahme zu stellen. Der Vergleich wird natürlich sofort angestellt, ob man das will oder nicht.

Weitestgehend hat man für die neue Aufnahme die Grundstruktur des alten, bewährten Arrangements übernommen. Die heutige Version klingt, dank der Technik, wesentlich voller, und Kenny G. läßt sein Saxophon effektvoll einfließen. Wenn nach den ersten einleitenden Takten die wunderschöne, old-fashionend Melodie erkennbar wird, sanft sich die Atmosphäre von Bar-Jazz ausbreitet, möchte man dahinschmelzen! Und dann Barbra’s Stimme! Voll und warm, mit zunächst weichen, tiefen Tönen beginnt sie. Obwohl die Stimme noch so jung klingt, ist es trotzdem unüberhörbar, dass es die Stimme einer erfahrenen Frau ist, die uns hier von intimen Ereignissen erzählt. Diese Überzeugung gewinnt man wieder durch Streisand’s Umgang mit dem Text. So wie sie manche Worte in einer unmissverständlichen Weise betont, erhält der Zuhörer einen echten Einblick in ihre Gefühlswelt. Nach und nach steigert sich ihr Gesang und mühelos gelangt sie zum grandiosen Fortissimo: Die Stelle der Melodie, worauf der Streisand-Kenner wartet: das Wort „dance“ in der höchsten Tonlage. Und „Barbra 1999“ schafft es tatsächlich, diese Note mit einem kurzen Schlenker nach oben, noch mehr in die Höhe zu treiben! Dieses Lied wurde von Jule Styne für Barbra Streisand komponiert, und es passt so prägnant zu ihr, dass sie es instinktiv makellos interpretiert

The Music, That Makes Me Dance“ dieser gloriose Showstopper, unterstreicht als letztes Lied diese gesamte Love-Symphonie. Am Ende des Songs kommt noch einmal das volle Orchester mit einem brisanten, opernhaften Schlussakord zum Einsatz, dem in wenigen Takten einige Noten aus dem Song “People“ untergemischt sind und durch den hindurch wir Barbra‘s funkelnde und hinreißende Stimme hören: „ ...that makes me dance...“ !

 

A Love Like Ours“ = „Too Marvelours for Words“ !

 

(c) Werner Matrisch, Oktober 1999

 

PS. Auf der Webpage des amerikanischen Buch –und CD Ladens AMAZON, sind bisher über 240 Kritiken von Käufern der neuen Streisand-CD zu lesen. Etwa 85 % davon äußern sich sehr enthusiastisch und geben dem Album die bestmögliche Note: „5 Stars“! Weitere 10% sind kritischer und notieren 3-4 Stars; eine immer noch sehr gute Beurteilung. Wie auch immer die Qualität der Songs beurteilt wird, der eindeutige Tenor für diese CD liegt auf der Betonung, daß Barbra Streisand’s Stimme „besser denn je“ klingt. Die restlichen 5% kann man als Streisand-Feinde bezeichnen. Für sie ist diese Webpage ein Forum für ihre persönlichen Hasstiraden. Wieder einmal wird Streisand in dümmlichen Argumenten ihr alles vernichtendes „Über-Ego“ vorgeworfen! Die Leute setzen sich nicht im geringsten mit der Musik auseinander, sondern ergehen sich nur in persönlichen Diffamierungen gegen Streisand.

Ein Fan aus Arkansas schrieb am Ende seiner Kritik zu „A Love Like Ours“ einen Satz der mir so gut gefiel, dass ich ihn hier zitieren möchte:

If you are cynical about love, then don’t listen, - you won’t understand!“