Abseits vom Dragqueen-Flitter: SOUVERÄN MIT STYLE !

 

Conchita Wurst war im Rahmen des Kölner Sommerblut-Festivals am 1. Mai im GLORIA!
Sie gab eine wunderbare Vorstellung, in der sie zeigte, sie ist alles:

kokett, selbstironisch, charmant, souverän, mondän, sexy, eingeübt, selbstbewusst, und manchmal ein wenig unverschämt - aber immer mit einem Augenzwinkern.

Höchst unterhaltsam moderiert und performt sie sich durch ein ca. 100 Minuten dauerndes Programm mit Focus auf das mehr oder weniger typische Gay-Entertainment. Was einerseits heisst: Neben den Songs ihres Debutalbums gibt es auch viele Divengesänge - also Cover von Shirley Bassey, Celine Dion, Cher oder Tina Turner. Aber andererseits überraschte Conchita dabei mit unverwechselbarer Stimme in intelligent strukturierten Neuversionen.

Ein Highlight war ihr Cover von Cher's "Believe". Conchita entschleunigte den etwas tumben Discosound und setzte neue Akzente auf die Vocals. Großartig! Fast noch mitreißender gelingt ihr eine unglaublich rockige Version des Motown-Hits "River deep mountain high".

 

 

Laute Nummern mit rockiger Begleitung - und damit wurde sie von ihren vier Musikern bestens bedient - stehen ihr übrigens sehr gut. Überhaupt stelle ich für mich fest: Conchita ist immer dann am besten, wenn sie ihre Stimme natürlich hält und nicht versucht, ihr einen "weiblichen" Klang zu geben. Sie tut das häufig bei den Intros zu einem Song oder bei den ruhigen, gefühlvoll gesungenen Parts in den Balladen, indem sie ihre Kopfstimme einsetzt. Dabei wirken ihre Phrasierungen und Übergänge zu den unterschiedlichen Noten mitunter etwas ungelenk oder nicht fließend genug.

Viel sicherer ist Conchita, wenn sie ihre Stimme normal ausfährt! Dabei erreicht sie oft ein erstaunliches Volumen und beeindruckt mit großem Tonumfang. Eine Note mit vollemStimmeinsatz unendlich lang zu halten, scheint ihr keine Schwierigkeit zu machen.

Paradebeispiel dafür war natürlich auch im GLORIA ihr Eurovision-Siegersong "Rise like a phoenix", den sie wieder mit Bravour sang und der Begeisterungsstürme entfachte.

Fernab vom Dragqueen-Firlefanz und Flitter, zeigte sich Conchita im Konzert inhaltlich wie auch optisch mit "Style". Ihr Outfit war schwarz und  ebenso schlicht wie erotisch:  sie kommt ohne den typischen Divenfummel aus. In der Mitte der Show ging Chonchita durchs Publikum, und beantwortete Fragen. Ob bald ein zweites Album erscheint? Conchita antwortet, sie ist dabei. Der Vetrag sei unterschrieben.

 

 

Nach der Show diskutierte ich ein wenig mit einer Besucherin über Songs und Stimme von Conchita. Die Frau bemerkte da etwas, was mir sehr gefiel. "Ich gehe gar nicht zu ihren Konzerten, weil sie singt, sondern weil sie SOVIEL FÜR UNS GETAN HAT.

Womit sie recht hat! Conchitas allgemeine Botschaft : "Sei immer du selbst, lass dir nicht reinreden" - war allgegenwärtig.

Gut gemacht, Conchita!  ( alias Thomas "Tom" Neuwirth)


Werner Matrisch, © Köln, 3. Mai 2015