TAKEOVER ! by Miki & MIC DONET

KUNSTVOLLE STREICHERARRANGEMENTS  KOMBINIERT MIT CHARISMATISCHEM SÄNGER !

 (Essen -Philharmonie  23.September  2017)
 


Das Streicher-Ensemble TAKEOVER sieht sich als übergeordnetes Konzept und eine „Reise in ungewohnte Gefilde“  für die klassischen Konzertsäle. So erklären sie sich auf ihrer Homepage - und wer immer in den letzten Jahren ihren Konzerten beigewohnt hat, wird verstanden und mit Freude erlebt haben, worum es bei dieser  ambitionierten Formation geht.

Das eher ungewöhnliche Konzept, ein kammermusikalisches  Streicher- Ensemble mit aktuellen Künstlern der Pop-Soul-Szene wie Cassandra Steen, Bosse, Max Mutzke, Moonbootica, Joy Denalane - oder sogar mit Rap & Sprechgesang (Curse) zu verbinden, ist in den letzten Jahren immer bekannter und erwartungsgemäß erfolgreicher geworden. Eine der besten deutschen Soulstimmen - Mic Donet - konnte man jetzt mit TAKEOVER im eleganten Ambiente des Konzertsaals  der Essener Philharmonie erleben.

Auch wenn es etwas hoch gegriffen ist - meine Erfahrung vieler Mic-Donet- Livekonzerte suggerieren mir immer wieder, dass man die vokalen Qualitäten dieses  Soulinterpreten kaum überschätzen kann - er singt als „deutscher“ Künstler  tatsächlich adäquat in der Tradition eines Stevie Wonder, Donny Hathaway oder auch Billy Ocean. Ihn jetzt innerhalb eines konzertanten, sanft-harmonischen Streicherklangs mit „Klassik-Ambiente“ und  ohne Schlagzeug oder sonstigem  Pop-Rock-Instrumentarium zu hören, war eine eindrucksvolle, spannungsreiche Erfahrung.



Beim ersten Song von Mic war der Sound noch nicht optimal. Seine Stimme klang  besonders in den Tiefen dumpf und zu  verschwimmend mit den Streichern. Auch die Höhen waren noch nicht optimal ausgesteuert, ich vermisste die sonst bezwingende Präsenz von Mic Donets Stimme. Aber eine Zeit der Klanganpassung braucht  jeder Tonmeister  und auch der Sänger. Trotz sicher erfolgter Proben, ist der Klang in einem leeren Saal immer anders als wie hier  vollbesetzt.

Beim zweiten Song „What's Going On“ (von Marvin Gaye) war die Performance zunächst auch weniger expressiv als manch einer von dieser klassischen Soulperle erwarten würde - statt dessen aber eröffneten sich ganz andere  hochkünstlerische Perspektiven. Miki hat den Song zu einer sehr langsamen Ballade arrangiert und ein Wiedererkennen ergab sich zunächst eher aus dem Text (Mother, mother, there's too many  of you crying, brother, brother., brother ), denn aus der Melodie. Ich empfand Mikis Streicherarrangement als ein impressionistisch flirrendes Klanggebilde in der Mics Gesang erstaunlich stimmig eingebettet war. Eine in sich völlig homogene Vorstellung.

Einerseits bewies Mic Donet seine große Musikalität in der Konzentration auf das rein Melodische und Zurücknehmen allzu starker Dynamik (normalerweise ein „Muss“ bei diesem  Song)  und Miki zeigte wie schon so oft bei seinen  Projekten (Pop Jazz,Soul & Streicher), welch großer Meister er bei der kreativen Umgestaltung  bekannter Songs er ist. Mutig,  aber auch witzig und sehr originell integrierte Miki zum Beispiel einmal zu Beginn eines Mic-Donet-Songs sogar ein Thema aus Richard Wagners „Fliegenden Holländer“ gespielt von einer Trompete. Ein anderes Mal  wurde aus einem Donet-Popsong ein Walzer - und auch das brachte  Mic Donet wie selbstverständlich.


Nach diesen ersten zwei Songs orientierte sich Mic Donets Gesang wieder stärker am bekannt stimmstarken, für ihn genretypischen  Interpretationsstil seiner  Alben. Mics Gesang  wurde von Song zu Song dynamischer und auch der Sound gab sich weniger zurückhaltend, als zu Beginn des Konzertes - wo ich es schlicht zu leise oder zu „gediegen“  fand.  Mic sang auch  den Song „Jemand da“? Von seinem ersten Album „Stille Wasser“,(2004)  daneben Songs  vom grandiosen Album „Plenty Of Love“, (2012)  dessen Songs  wohl seine bisher populärsten wurden. Highlights waren natürlich  „Losing You“und „Travel These Streets“. Auch das Publikum  wurde einmal mit einbezogen, als Mic die zu singenden Zeilen diktierte - was ziemlich gut funktionierte. Denn was normalerweise auf mich immer recht albern wirkt, hatte hier sogar ein wenig  Gospelchor-Charakter und klang nicht schlecht. Von seinem Album „Rise Und Shine“ (2015) sang Mic „Bullet Proof“ und den wunderbaren Titelsong mit seinen hymnischen Höhenflügen wie immer beschwörend schön.

Kompositorisch in neuer Weise, und deshalb vielleicht auch zukunftsweisend - erklang Mics  Song in deutscher Sprache „Virtuell“. Schon seit 2016 immer wieder  in kleineren Konzerten vorgestellt, merkte man am positiven Publikumsecho die Wirkung auf einen starken Song ! Das war jetzt im Konzert mit TAKEOVER  nicht anders.  Der Song kam so gut an, dass Mic sich bei den Zugaben  noch einmal ans Piano, bzw. Synthesizer  setzte, und das Stück ein zweites Mal sang.

Mic Donet und TAKEOVER..... das war in jeder Beziehung ein lohnenswertes Konzert und  anhaltender Applaus sowie mehrere Zugaben bewiesen dies: TAKEOVER beeindruckte mit kunstvollen Arrangements und dem Schönklang seiner  ambitionierten Musiker. Mic Donet überzeugte wieder als hoch motivierter Künstler - und zeigte sich sängerisch absolut professionell sogar in diesem  für ihn künstlerisch neuem Umfeld. Dabei wirkt er niemals routiniert, sondern faszinierte mit Abwechslungsreichtum und virtuos gesungenen  Phrasierungen.  Nur“ straight“ mit guter Stimme  zu singen gibt es für einen Mic Donet nicht - ihm fällt immer wieder etwas ein, die Noten besonders zu formen und ungewöhnlich zu betonen.

Den Song „Virtuell“  hat Mic Donet für ein deutschsprachig geplantes Album geschrieben, welches hoffentlich bald in naher Zukunft erscheint und die radiotaugliche  Bedeutungslosigkeit  so mancher deutscher „Chartsänger“  deutlich macht! Denn Donets Stimme und wie er damit  umgeht - das hat  Charisma, Authentizität und eine Unverwechselbarkeit die ihn in die erste Reihe  der besten deutschen Interpreten einreiht.


© Werner Matrisch, Köln 25. September 2017