Michael Bublés CALL ME IRRESPONSIBLE (2007)

Solides Handwerk - aber kaum aufregend!

Dass Michael Bublé ein großartiger Sänger ( in seinem Genre) ist, muss nicht diskutiert werden. Seit der „ersten Stunde“ war ich ein Liebhaber seiner Musik u. seiner Stimme. Jetzt jedoch, mit diesem dritten Album, muss auch Michael Bublé es sich gefallen lassen, dass man ihn und seine neue CD an seinen besten Aufnahmen misst. Und die waren nun mal eindeutig besser auf seinen ersten zwei CDs. Liegt's an den Songs, oder den Arrangements, oder an seinem stimmlichen Einsatz?

Diese CD klingt, eingedenk dieser drei Kriterien, wie ein Bublé auf Sparflame. Keiner der gecoverten Songs erreicht annähernd die mitreißende Intensität von „Fever“ (seine erste CD) oder „Feeling Good“ und „Can' Buy Me Love“ ( seine zweite CD).

Die Auswahl der Songs könnte besser sein, denn in dieser Gattung gibt es “ hervorragende Songs wie Sand am Meer“. Der Titelsong ist okay. Aber die gelungenste Aufnahme ist sicherlich sein „Me and Mrs. Jones“. Vom Arragement her hat „It Had Better Be Tonight“ noch die schöne swingende Frische seiner ersten zwei CDs. Auch die Jazzklassiker des All American Songbook „I've Got The World On A String und „The Best Is Yet To Come“ gehören noch zu den besseren Titeln.

Aber vom Swingfaktor her, (Arrangement + Stimme) erreichen sie nicht mehr das Niveau seiner ersten CDs. Bei „That's Life“, ein toller Song bei Sinatra, wird er sehr schön von einem Chor unterstützt. Hier wünscht man sich, dass Bublé mal so richtig aus sich rausgeht,…aber sein Einsatz hält sich sehr in Grenzen, jedenfalls könnte ich es mir wirklich dynamischer, „explosiver“ vorstellen!

In einer anderen Rezension zu Bublés neuer CD wurde geschrieben, dass Bublé mit seiner Stimme „plötzlich explodieren“ könne. An dieser Stelle erlaube ich mir, Bublé mit unserem deutschen, „sogenannten“ Swingsänger Roger Cicero zu vergleichen. Cicero ist ein Sänger der, so muss inzwischen bei all seinem Erfolg festgestellt werden, im Gegensatz zu Michael Bublé viel mehr polarisiert. Sein immer stark engagierter Stimmeinsatz lässt niemanden unbeteiligt, ist aber auch nicht jedermanns Sache. Man höre sich nur Ciceros gecovertes  "Tausendmal Berührt“ an. Das hat für mich viel mehr mit „plötzlich explodieren“ zu tun. Das ist „Dynamic pur“ ! Bublé swingt meistens „elegant, und musikalisch entspannt“. Auch kann er gefühlvoll singen, aber “ leidenschaftlich emotional“, wie auch geschrieben wurde, singt er für mich nicht. Davon ist er meilenweit entfernt.

Bublés neuen Eigenkompositionen sind ansprechend, aber „vom Hocker“ hauen sie einen nicht. Schlechteste Aufnahme der CD ist dagegen wirklich seine Coverversion von „Comin' Home Baby“. Was fetzig oder mitreißend sein sollte, wirkt hier in der ständigen stupiden Wiederholung nur vorhersehbar und deshalb enervierend.

Da jetzt meine negativen Urteile etwas massiv werden, möchte ich betonen, dass „Call me Irresponsible“ natürlich kein schlechtes Album ist. Aber nach Bublés ersten „Meisterwerken“ ist es enttäuschend. Es wirkt im Vergleich einfach stereotyp, etwas flau, und sehr beliebig.
So klingt es, wenn sich eine übergroße Routine einschleicht. Das ist für sein erst drittes Album eigentlich zu früh! Wenn Michael Bublés neue CD überall in der Welt erste Plätze belegte, hat das auch viel mit der Begeisterung für seine Vorherigen zwei CDs zu tun.

Sein drittes Album verkauft sich dank seiner  Beliebtheit “blind“. Drei Sterne für solides Handwerk!

Werner Matrisch,  2007